Ein Akustikvorhang wird mit seiner Raffung geplant, eine Schallschutztür als komplettes Element aus Türblatt und Zarge geprüft. Beide gehören zu Raumakustik und Schallschutz, lösen aber verschiedene Aufgaben: angenehmere Gespräche im Raum oder mehr Ruhe vor Geräuschen aus dem Flur. Ein schallabsorbierender Stoff belegt nichts über die Schalldämmung Ihrer Tür. Mit Nachhall, Absorption und Schalldämmung als getrennten Begriffen vergleichen Sie Angebote und fragen nach passenden Nachweisen.
Drei Fragen, drei unterschiedliche Größen
Wie lange klingt Schall im Raum nach? Wie viel Schallenergie nimmt eine Oberfläche auf? Und wie stark wird Schall zwischen zwei Bereichen übertragen? Diese Fragen betreffen verschiedene Eigenschaften. Die Antwort auf eine davon beantwortet nicht automatisch die beiden anderen.
Die Nachhallzeit ist eine raumakustische Größe. Üblicherweise bezeichnet sie die Zeit für einen Pegelabfall um 60 dB nach dem Ende einer Schallanregung. Sie wird in Sekunden angegeben. Ecophon betont außerdem, dass neben Nachhall weitere Eigenschaften wie Schallausbreitung und Sprachverständlichkeit für die Raumakustik relevant sind.[1]
Schallabsorption beschreibt das Verhalten eines Materials oder Aufbaus gegenüber auftreffendem Schall. Schalldämmung betrifft dagegen die Begrenzung einer Übertragung durch Bauteile beziehungsweise zwischen Bereichen. Fraunhofer IBP führt dafür getrennte Prüf- und Messaufgaben auf.[2]
| Frage | Passender Begriff | Typische Angabe |
|---|---|---|
| Wie klingt ein Raum ab? | Nachhallzeit | Sekunden |
| Wie absorbiert ein Aufbau Schall? | Schallabsorptionsgrad | Frequenzabhängiger Kennwert |
| Wie wird Schall durch ein trennendes Bauteil übertragen? | Schalldämmung | Zugeordneter Schalldämmwert in dB |
Lassen Sie sich bei Ihrem Angebot den vollständigen Namen und die Einheit jedes Kennwerts nennen. So erkennen Sie, welche Ihrer Fragen die Angabe beantwortet. Das allgemeine Wort Akustikwert reicht für diesen Vergleich nicht aus.
Was bei der Schallabsorption geschieht
Trifft Schall auf eine Oberfläche, kann ein Teil reflektiert werden, ein Teil das Material durchdringen und ein Teil durch Energieumwandlung im Material absorbiert werden. Ecophon erklärt die Absorption als Umwandlung von Schallenergie in Wärme. Wie ausgeprägt sie ist, hängt unter anderem von der Frequenz ab.[3]
Wenn ein Material mit schluckt Schall beworben wird, fragen Sie genauer nach: Welcher Aufbau wurde geprüft, und für welche Tonhöhen gilt das Ergebnis? Eine belegte Wirkung bei mittleren und hohen Tönen sagt noch nicht, wie sich das Material bei tiefen Tönen verhält.
Auch der sichtbare Werkstoff ist nur ein Teil der Beschreibung. Fragen Sie nach, ob ein Prüfbericht einen Stoff allein, einen Vorhang mit bestimmter Anordnung oder einen mehrschichtigen Absorber beschreibt. Diese Aufbauten können nicht allein wegen ähnlicher Oberflächen miteinander gleichgesetzt werden.
Fläche und Kennwert gemeinsam betrachten
Bei einer vereinfachten Betrachtung einer einzelnen Fläche ergibt sich die äquivalente Schallabsorptionsfläche aus dem Produkt ihrer Fläche und des zugehörigen Absorptionsgrads. Ecophon verwendet diese Beziehung bei der Erläuterung der Absorptionsflächen eines Raums.[4]
Rechenbeispiel bei einer betrachteten Frequenz
Angenommen, ein geprüfter Aufbau hätte bei einer bestimmten Frequenz einen Absorptionsgrad von 0,50. Die betrachtete Fläche betrage 8,0 m². Dann ergibt die vereinfachte Rechnung:
8,0 m² × 0,50 = 4,0 m² äquivalente Schallabsorptionsfläche.
Die 4,0 m² sind eine rechnerische Vergleichsgröße. Sie bedeuten nicht, dass die Hälfte des gesamten Raumgeräuschs verschwindet oder dass die Lautstärke halbiert wird. Die Wirkung im vollständigen Raum hängt von weiteren Flächen, Geometrie, Anordnung und Nutzung ab.
Die Zahlen sind ein eigenes Lehrbeispiel ohne Bezug zu einem angebotenen Produkt. Ohne vollständige Raumdaten wird daraus weder eine Nachhallzeit noch eine benötigte Materialmenge berechnet.
Textile Akustiksysteme als geprüfte Aufbauten lesen
Vorhänge und andere textile Systeme können auf unterschiedliche Weise aufgebaut und angeordnet sein. Für ein Angebot sollten Sie deshalb neben der Stoffbezeichnung nach Fläche, Position, Abstand zu angrenzenden Flächen und Nutzungszustand fragen. Relevant ist, welche Ausführung den genannten Prüfdaten tatsächlich zugrunde liegt.
Zur Beschreibung eines Vorhangs kann auch die Raffung gehören. HOFA definiert den Zusammenhang zwischen Stoffbreite, abzudeckender Breite und Raffungsfaktor und nennt für verschiedene eigene Modelle unterschiedliche Empfehlungen. Das zeigt, dass eine allgemeine Zahl nicht ungeprüft für jedes textile System übernommen werden sollte.[5]
Fraunhofer IBP führt Vorhänge und Rollos unter den Prüfobjekten der Schallabsorption auf. Die Auflistung unterscheidet diese Material- beziehungsweise Aufbauprüfung von der Messung einer Nachhallzeit im Raum. Ein Materialprüfbericht ist somit eine andere Information als ein gemessenes Raumergebnis.[2]
Bei Schalldämmwerten das Bauteil mitdenken
Wenn eine Tür als Schallschutztür bezeichnet wird, gehört der Nachweis zum beschriebenen Element und seiner Ausführung. Schörghuber weist in seiner technischen Darstellung ausdrücklich darauf hin, dass das Schallschutzgutachten das komplette Türelement betrifft. Türblatt und Zarge sind in diesem Zusammenhang gemeinsam zu betrachten.[6]
Für einen Vergleich sollten deshalb mindestens Elementbezeichnung, Aufbau und der vollständige Name des angegebenen Schalldämmwerts bekannt sein. Ein Materialdatenblatt eines Bezugsstoffs beschreibt nicht dieselbe Aufgabe. Ebenso wäre es ungenau, eine einzelne Beschichtung oder Polsterlage als Beweis für die Schalldämmung einer vorhandenen Tür zu verwenden.
Die Prüfung eines Bauteils im Prüfstand und die Messung zwischen Räumen im Gebäude sind außerdem getrennte Aufgaben. Fraunhofer IBP führt dafür eigene Verfahren und Leistungen auf. Daraus folgt für die Planung: Ein Prüfstandswert darf nicht ohne Begründung als zugesicherte Verbesserung in einer beliebigen Bestandssituation ausgegeben werden.[2]
Eine kompakte Prüfliste für Datenblätter
| Prüffrage | Was in den Unterlagen erkennbar sein sollte |
|---|---|
| Welche Aufgabe wird geprüft? | Absorption, Nachhall oder Schalldämmung |
| Welches Objekt wurde untersucht? | Exakte Material- oder Elementbezeichnung |
| Wie war der Aufbau? | Schichten, Anordnung und maßgebliche Abmessungen |
| Welche Größe wird genannt? | Vollständiger Name, Einheit und Frequenzbezug |
| Was ist der Vergleichsmaßstab? | Passendes Verfahren und dokumentierte Bedingungen |
| Was wurde verändert? | Unterschiede zwischen Prüfaufbau und geplantem Einsatz |
Mit der Liste können Sie gezielt zu Ihren Unterlagen nachfragen. Den vollständigen Prüfbericht sollten Sie sich fachlich erklären lassen.
So wird aus Materialwissen eine klare Planungsfrage
Beschreiben Sie zunächst, ob der Klang im Raum oder die Übertragung aus einem anderen Bereich verändert werden soll. Ordnen Sie anschließend die vorhandenen Produktdaten dieser Aufgabe zu. Wenn beides relevant ist, werden zwei Ziele benannt und ihre Maßnahmen miteinander abgestimmt.
Für Ihre Anfrage genügen diese Zuordnung von Raumklang oder Übertragung, Fotos und vorhandene Unterlagen zu Raum oder Tür. Damit können Sie die Möglichkeiten für Ihren Bestand und die dazu passenden Nachweise gezielt besprechen. Bei RAUMWERK reichen die Arbeiten von textilen Akustiksystemen und Akustikvorhängen bis zur Reparatur und Nachrüstung von Schallschutztüren.[7]





