Leiser ist nicht gleich leiser: Hallende Stimmen beim Abendessen betreffen die Raumakustik, Gespräche durch die geschlossene Tür dagegen die Übertragung zwischen zwei Bereichen. Davon hängt ab, welche Maßnahmen geprüft werden sollten. Akustikvorhänge und textile Systeme können Teil einer Planung gegen Nachhall sein, und stört vor allem Schall von nebenan, wird die vorhandene Tür gesondert untersucht.
Zuerst klären, woher die Störung kommt
Beginnen Sie mit einer konkreten Situation: Welche Geräusche fallen auf, wo sitzen Sie dabei und wo entsteht der Schall? Ein Satz wie „Beim Abendessen verstehe ich die Person gegenüber schlecht“ liefert mehr Anhaltspunkte als die allgemeine Beschreibung „Der Raum ist laut“. Ebenso hilfreich ist die Angabe, ob das Problem vor allem bei mehreren gleichzeitig sprechenden Personen oder bereits im Zweiergespräch auftritt.

Raumakustik betrachtet unter anderem Nachhall, Schallausbreitung und Sprachverständlichkeit innerhalb eines Raums. Die Nachhallzeit ist dabei eine wichtige, aber nicht die einzige Kenngröße. Für die Schalldämmung zwischen Räumen werden andere Eigenschaften und Messverfahren betrachtet. Die Prüfstelle Akustik des Fraunhofer IBP führt diese Aufgaben entsprechend getrennt auf.[1][2]
| Ihre Beobachtung | Worum es gehen kann | Was als Nächstes geklärt werden sollte |
|---|---|---|
| Stimmen klingen im Raum deutlich nach | Raumakustik | Nutzung, Raumgeometrie, Oberflächen und Nachhall |
| Sprache aus dem Flur ist im geschlossenen Zimmer hörbar | Schallübertragung zwischen Bereichen | Übertragungswege und vorhandenes Türelement |
| Beide Situationen treten auf | Beide Probleme müssen berücksichtigt werden | Klang im Raum und Geräusche aus dem Nachbarbereich getrennt besprechen |
Die Tabelle unterstützt die Vorbereitung. Aus einer Beobachtung allein lässt sich noch keine Ursache sicher bestimmen.
Was Nachhall beschreibt
Die Nachhallzeit beschreibt üblicherweise die Zeit, in der ein Schallpegel nach dem Ende der Anregung um 60 dB abklingt. Sie wird in Sekunden angegeben. In der Messtechnik werden dafür definierte Abschnitte des Abklingvorgangs ausgewertet und auf den entsprechenden Pegelabfall bezogen. Die Nachhallzeit ist eine definierte Messgröße und vom subjektiven Höreindruck zu unterscheiden.[1]
Für die Planung ist außerdem die Nutzung wichtig. Ein Raum für konzentrierte Gespräche stellt eine andere Aufgabe als ein Raum, in dem Musik bewusst klanglich wirken soll. Deshalb sollte ein Ziel nicht allein aus einer einzelnen allgemeinen Sekundenangabe übernommen werden. Ecophon weist bei der raumakustischen Planung ausdrücklich auf mehrere relevante Eigenschaften hin.[1]
Ihre Wahrnehmung ist für das Gespräch wichtig. Schreiben Sie auf, wann Sie der Raumklang stört und was Sie daran ändern möchten. Einen gemessenen Nachhallwert können Sie daraus nicht ableiten; Ihre Alltagserfahrung müssen Sie dafür aber auch nicht in eine Zahl übersetzen.
Schallabsorption und Schalldämmung unterscheiden
Bei der Schallabsorption wird ein Teil der auftreffenden Schallenergie im Material in Wärme umgewandelt. Wie stark ein Material absorbiert, hängt unter anderem von der Frequenz ab. Ein Absorptionswert beschreibt deshalb nicht automatisch eine gleiche Wirkung für tiefe, mittlere und hohe Töne.[3]
Schalldämmung beschreibt demgegenüber die Begrenzung der Schallübertragung durch trennende Bauteile beziehungsweise zwischen Bereichen. Ein Produktnachweis zur Schallabsorption ist somit kein Nachweis für die Schalldämmung einer Tür. Fraunhofer IBP führt beispielsweise Hallraumprüfungen für Vorhänge und Rollos getrennt von Prüfungen an Türen sowie Baumessungen zwischen Räumen.[2]
Wichtige Unterscheidung: Ein raumakustisch wirksamer Vorhang kann Teil einer Planung gegen störenden Nachhall sein. Daraus lässt sich keine bestimmte Schalldämmung gegenüber dem Nachbarraum ableiten. Für ein solches Ziel wären passende Nachweise und die gesamte Einbausituation zu betrachten.
Akustikvorhänge anhand der tatsächlichen Ausführung beurteilen
Bei einem Akustikvorhang sollten Material und Montage gemeinsam betrachtet werden. Relevant ist unter anderem, welche Fläche im üblichen Nutzungszustand tatsächlich im Raum wirksam bleibt. Die von Carsten Ruhe veröffentlichten Untersuchungen zeigen anhand konkreter Räume, dass sich die Wirkung mit der Vorhangstellung und der verfügbaren Fläche verändert. Die dortigen Messergebnisse sind keine pauschalen Leistungswerte für andere Räume.[4]
Auch die Raffung gehört zur Beschreibung. Sie bezeichnet das Verhältnis zwischen Stoffbreite und abgedeckter Breite. HOFA nennt für verschiedene eigene Vorhangmodelle unterschiedliche Empfehlungen. Daraus lässt sich gerade kein einheitlicher Raffungsfaktor für alle Akustikvorhänge ableiten.[5]
Lassen Sie sich für ein angebotenes System zeigen, auf welchen Stoff, welchen Abstand zur angrenzenden Fläche und welchen Aufbau sich die Prüfdaten beziehen. Eine schön gestaltete Stoffprobe beantwortet die akustische Frage noch nicht. Ebenso wichtig ist, ob der Vorhang im Alltag meist geöffnet, geschlossen oder nur teilweise zugezogen bleibt.
Fragen zu textilen Akustiksystemen
- Welches Problem soll die Maßnahme im konkreten Raum bearbeiten?
- Welche Produktdaten liegen für das vorgesehene Material vor?
- Welche Fläche und Montage sind vorgesehen?
- Entspricht die geplante Ausführung dem dokumentierten Prüfaufbau?
- Wie wird das System im täglichen Betrieb genutzt?
- Welche Anforderungen bestehen an Gestaltung, Bedienung und Pflege?
Diese Prüffragen helfen, Gestaltung und Funktion gemeinsam zu besprechen, statt eine akustische Wirkung allein aus der Stoffoptik abzuleiten.
Bei Türen das gesamte Element betrachten
Wenn Schall vor allem aus einem anderen Bereich störend wahrgenommen wird, sollte die vorhandene Tür einschließlich ihrer Umgebung aufgenommen werden. Dazu gehören Türblatt, Zarge, Anschlüsse und vorhandene Dichtungen. Schörghuber weist in seiner technischen Darstellung darauf hin, dass sich ein Schallschutzgutachten auf das komplette Türelement bezieht.[6]

Für eine Reparatur oder Nachrüstung ist deshalb zunächst zu klären, welches Element vorhanden ist und welche Unterlagen dazu gehören. Eine erkennbare Beschädigung oder eine nicht sauber schließende Tür ist ein Anlass zur Prüfung. Sie belegt jedoch noch nicht, welchen Anteil die Tür an der gesamten Schallübertragung hat oder welche Verbesserung eine einzelne Maßnahme erreichen wird.
Hersteller nennen für geprüfte Türen bestimmte Schalldämmwerte. Solche Angaben dürfen nicht ohne Weiteres als zugesicherte Verbesserung im vorhandenen Gebäude verstanden werden. Die Prüfung eines Türelements und die Messung der Luftschalldämmung zwischen Räumen sind unterschiedliche Aufgaben.[2][7]
Für die Bestandsaufnahme bereithalten: Fotos des Türelements, vorhandene Hersteller- oder Typenangaben, frühere Unterlagen und eine möglichst genaue Beschreibung der störenden Situation. Verändern Sie das Element nicht auf Verdacht, bevor die passende Vorgehensweise geklärt ist.
Raum und Nutzung geordnet dokumentieren
Eine einfache Raumskizze unterstützt die erste Beratung. Tragen Sie Raumlänge, Breite und Höhe ein. Markieren Sie Fenster, Türen, große Glasflächen und die Positionen, an denen das Problem besonders auffällt. Ergänzen Sie Fotos, auf denen Oberflächen und Einrichtung erkennbar sind.
Notieren Sie außerdem, wie viele Personen den Raum üblicherweise gleichzeitig nutzen und welche Tätigkeiten stattfinden. Bei wechselnder Nutzung sollte jede wichtige Situation einzeln beschrieben werden. Ein leerer Raum am Vormittag und ein Abendessen mit mehreren Personen sind unterschiedliche Ausgangszustände.
Für vorhandene Vorhänge ist eine Aufnahme im typischen Nutzungszustand hilfreicher als ein Bild, das nur für die Dokumentation arrangiert wurde. Wenn unterschiedliche Stellungen ausprobiert werden, sollten die Beobachtungen als subjektiver Vergleich gekennzeichnet sein. Für belastbare Kennwerte ist eine dafür geeignete Messung erforderlich.[2]
Maßnahmen mit einem überprüfbaren Ziel abstimmen
Ein nachvollziehbarer Plan benennt zuerst das Ziel und danach die vorgesehene Maßnahme. Beispiel: „Gespräche am Esstisch sollen unter den beschriebenen Nutzungsbedingungen angenehmer werden. Dafür wird ein textiler Akustikansatz geprüft.“ Bei einer Tür lautet die Aufgabe dagegen, den Bestand und die Möglichkeiten einer fachlich begründeten Reparatur oder Nachrüstung zu untersuchen.
Halten Sie fest, wie das Ergebnis beurteilt werden soll. Geht es um einen dokumentierten Hörvergleich, eine Messung oder die Einhaltung konkret vereinbarter Eigenschaften? Diese Unterscheidung sollte vor der Umsetzung klar sein. So bleibt nachvollziehbar, was tatsächlich beauftragt und später bewertet wird.
Akustische und gestalterische Raumberatung, Akustikvorhänge und textile Systeme sowie die Reparatur und Nachrüstung von Schallschutztüren gehören zum Leistungsangebot bei RAUMWERK. Bringen Sie eine Raumskizze, Fotos und Ihre Beschreibung der störenden Situation mit. Im Gespräch lässt sich dann klären, welche Maßnahmen für Ihren Raum oder Ihre Tür geprüft werden sollten und ob dafür zusätzliche Messungen nötig sind.[8]






