Versetzte Streifen an der Kissenkante oder ein Motiv, das knapp neben der Mitte sitzt, fallen bei jedem Blick auf den neuen Polsterbezug auf. Damit Musterlauf und Passform stimmen, reicht die sichtbare Sitzfläche als Maß nicht; auch Seiten, Nähte, Stoffrichtung und Verschluss gehören dazu. Einfache Beispiele zeigen, wie diese Angaben zusammenhängen und welche Fotos und Maße Sie vorbereiten können.
Vom Polster zur Formaufnahme
Am Anfang steht die Frage, welche Form bezogen werden soll. Ein loses Kissen mit geraden Seiten unterscheidet sich von einem fest gepolsterten Sitz, einer Rundung oder einem Teil mit Ausschnitten. Halten Sie deshalb zuerst fest, welche Flächen zusammengehören und welche Teile des vorhandenen Aufbaus erhalten bleiben.
Für die Verständigung sind eindeutige Bezeichnungen hilfreich: Oberseite, Unterseite, Vorderkante, Rückseite und gegebenenfalls links oder rechts. Diese Angaben sollten sich in Skizze, Muster und späterem Auftrag wiederfinden. Bei mehreren ähnlich aussehenden Teilen verhindert eine solche Zuordnung, dass Maße oder Richtungen verwechselt werden.
Ein alter Bezug kann dabei als Anschauungsmuster dienen. Er ist aber nicht automatisch eine unveränderte Schnittvorlage. Beschreiben Sie, ob die vorhandene Passform beibehalten oder verändert werden soll und auf welches Polster sich die neue Hülle beziehen wird.
Fertigmaß und Zuschnittmaß unterscheiden
Das Fertigmaß beschreibt eine gewünschte Abmessung am fertigen Teil. Das Zuschnittmaß berücksichtigt zusätzlich die dafür vorgesehene Verarbeitung. Dazu können Nahtzugaben und weitere konstruktive Zugaben gehören. Die genaue Größe dieser Zugaben ist keine universelle Zahl für jeden Stoff und jede Naht.

Vereinfachtes Rechenbeispiel für zwei Oberteile
Angenommen, zwei rechteckige Oberteile sollen jeweils ein Fertigmaß von 60 cm × 50 cm erhalten. Für dieses reine Geometriebeispiel werden an jeder Kante 1,5 cm Nahtzugabe angesetzt.
| Größe | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Zuschnittbreite eines Oberteils | 60 cm + 1,5 cm + 1,5 cm | 63 cm |
| Zuschnitttiefe eines Oberteils | 50 cm + 1,5 cm + 1,5 cm | 53 cm |
| Breite von zwei Oberteilen nebeneinander | 2 × 63 cm | 126 cm |
Auf einer angenommenen nutzbaren Stoffbreite von 140 cm passen diese beiden Rechtecke rechnerisch nebeneinander. Übrig bleiben 14 cm in der Breite. Das Beispiel berücksichtigt weder Muster noch Richtung oder Zuschnittfehler. Es beschreibt nur zwei Oberteile, nicht den Stoffbedarf für zwei vollständige Kissen einschließlich Unterseiten, Seitenstreifen und Verschlüssen.
Die beispielhaften 1,5 cm sind keine Verarbeitungsempfehlung. Welches Zuschnittmaß tatsächlich benötigt wird, hängt von Material, Naht und gewünschter Passform ab.
Materialrichtung vor dem Auflegen festlegen
Bei gemusterten Stoffen muss geklärt werden, in welcher Richtung das Dessin auf der Rolle verläuft. Sailrite unterscheidet zwischen einem längs zur Rolle angeordneten Muster und einer als railroaded bezeichneten Ausrichtung quer über die Warenbreite. Das kann beeinflussen, wie eine größere Fläche zugeschnitten und wo eine Naht angeordnet wird.[1]
Ein gedrehtes Schnittteil ist daher nicht allein deshalb gleichwertig, weil es auf die freie Stofffläche passt. Die gewünschte Optik und die Verarbeitungseigenschaften des konkreten Materials müssen berücksichtigt werden. Für eine verständliche Schnittplanung sollten Richtungsmarkierungen auf allen zusammengehörigen Teilen eindeutig sein.
Bei Velours kommt die Florrichtung hinzu. Kvadrat beschreibt sie als eigene Materialeigenschaft, die bei Handhabung und Verarbeitung zu beachten ist. Wenn Teile unterschiedlich ausgerichtet werden, kann dies ihre optische Wirkung verändern. Deshalb sollte die Richtung am Muster abgestimmt und anschließend konsequent dokumentiert werden.[2]
Rapport und Musterlauf planen
Der Rapport beschreibt die Wiederholung eines Musters. Für einen Bezug sind sowohl die Wiederholung in der Länge als auch diejenige in der Breite wichtig. Sailrite zeigt an einem Kastenkissen, wie die Musterzuordnung zwischen Oberteilen und Seitenflächen geplant wird. Das Beispiel macht deutlich, dass nicht nur die Größe, sondern auch die Lage der Schnittteile relevant ist.[3]
Zeigen Sie auf einem Foto oder Muster, wo ein Motiv sitzen soll. Möchten Sie es mittig auf der Sitzfläche sehen? Sollen Streifen an der Vorderkante weiterlaufen? Ihre Wünsche bestimmen mit, wo die einzelnen Bezugsteile aus dem Stoff zugeschnitten werden.
Einfaches Rapportbeispiel: Angenommen, ein Muster wiederholt sich in Längsrichtung alle 30 cm. Eine Zuschnittreihe benötigt 53 cm. Soll die folgende Reihe mit derselben Musterphase beginnen, kann ihr Beginn im vereinfachten Raster nach 60 cm liegen: Das ist das nächste volle Vielfache von 30 cm oberhalb von 53 cm.
Dieses Beispiel erklärt den Rasterabstand. Eine vollständige Bestellmenge ergibt sich daraus noch nicht, weil Anfangsposition, seitliche Musterlage, weitere Teile und andere Zugaben fehlen. Gerade bei großen Dessins kann die reine Flächensumme deshalb eine unzureichende Grundlage für den Materialbedarf sein.

Nähte und Verschlüsse gehören in den Schnitt
Die geplante Naht legt fest, wo Teile miteinander verbunden werden und welche Kanten dafür benötigt werden. Coats unterscheidet Nahtkonstruktionen danach, wie die Materiallagen angeordnet und verbunden sind. Die Verarbeitung kann daher nicht erst unabhängig vom Zuschnitt festgelegt werden.[4]
Dasselbe gilt für einen Reißverschluss oder eine andere Öffnung. Für die Planung sind Lage, Zugänglichkeit und die Funktion im vollständigen Bezug zu klären. Ein unauffälliger Verschluss kann gestalterisch gewünscht sein; gleichzeitig muss die vorgesehene Handhabung möglich bleiben.
Ein Reißverschluss ist jedoch keine automatische Waschfreigabe und auch kein sicherer Hinweis darauf, dass ein Bezug zur regelmäßigen Abnahme vorgesehen ist. Kvadrat weist ausdrücklich darauf hin, dass nicht alle Bezüge mit Reißverschluss als abnehmbar konstruiert sind. Die Angaben zum fertigen Möbel beziehungsweise Bezug sind dafür maßgeblich.[2]
Eine verständliche Schnitt- und Musterunterlage
Für ein Vorhaben mit mehreren Teilen kann folgende Übersicht genutzt werden:
| Angabe | Beispiel einer eindeutigen Dokumentation |
|---|---|
| Teilbezeichnung | Sitzkissen links, Oberseite |
| Maßbezug | Gewünschtes Fertigmaß oder vorhandenes Istmaß |
| Orientierung | Vorderkante, Oberseite und Richtungspfeil |
| Musterbezug | Motivmitte oder gewünschter Streifenanschluss |
| Verbindung | Zugeordnete Seitenfläche und Nahtposition |
| Verschluss | Gewünschte Lage und vorgesehene Nutzung |
Mit der Tabelle bereiten Sie das Gespräch vor. Den fertigen Schnitt legt der Fachbetrieb passend zu Ihrem Material und dem besprochenen Aufbau fest.
Vor der Fertigung auf Vollständigkeit prüfen
Legen Sie die Angaben für alle zusammengehörigen Teile nebeneinander. Stimmen Bezeichnungen, Maßbezüge und Richtung überein? Ist klar, welche Musterübergänge wichtig sind? Wurde die Funktion des Verschlusses besprochen? Ungefähre Maße sollten als solche gekennzeichnet bleiben.
Für den späteren Vergleich ist es hilfreich, die abgestimmte Musterlage und Ausführung festzuhalten. So lässt sich ein Änderungswunsch einem bestimmten Teil zuordnen. Eine Materialmenge wird anschließend aus dieser konkreten Planung abgeleitet, statt allein aus der sichtbaren Sitzfläche geschätzt zu werden.
Polster nach Maß und Polsterauflagen werden bei RAUMWERK gefertigt. Bringen Sie Fotos, eine beschriftete Skizze und die Bezeichnung Ihres Wunschstoffs mit. Damit lässt sich besprechen, wie Ihr Bezug passen soll, wo das Muster verläuft und welche Stoffmenge dafür benötigt wird.[5]







