Vergilbte Prospekte im Handschuhfach, ein Rest vom früheren Bezug in der Garage: Bei einer Oldtimer-Innenausstattung sind solche Fundstücke wertvolle Vorlagen, aber noch kein Beweis für die ursprüngliche Ausführung. Bevor Material bestellt wird, sollten Bestand, Vorlage und gewünschtes Ergebnis getrennt dokumentiert werden. So wird klarer, was nachgebildet werden soll, was seinen Charakter behält und wo bewusst neue Entscheidungen anstehen.
Bestand und historische Vorlage unterscheiden
Fotografieren Sie zuerst den heutigen Zustand. Ergänzen Sie vorhandene ältere Bilder, Rechnungen, Prospekte oder Materialreste. Beschriften Sie jeweils, woher eine Vorlage stammt und welchem Bauteil sie zugeordnet ist.
Ein heutiges Detail beweist nicht automatisch die ursprüngliche Ausführung. Ebenso kann ein Foto eines ähnlichen Fahrzeugs eine andere Ausstattung zeigen. Wenn die historische Zuordnung entscheidend ist, sollte sie anhand verlässlicher Unterlagen gesondert geklärt werden.
Das Ziel genauer als original formulieren
Möchten Sie möglichst viele vorhandene Teile behalten? Soll eine frühere Optik nachgebildet oder ein stimmiger neuer Innenraum gestaltet werden? Diese Wünsche können zu unterschiedlichen Arbeiten führen.
Zum Leistungsangebot gehören originalnahe ebenso wie individuell gestaltete Fahrzeugausstattungen. Für Ihren Auftrag sollte feststehen, welche Richtung gemeint ist. Daraus folgt keine Echtheits-, Wert- oder Abnahmezusage.[1]
Materialname und Oberfläche gemeinsam erfassen
Leder, Kunstleder und textile Qualitäten müssen eindeutig bezeichnet werden. Die Leather Working Group unterscheidet beispielsweise Lederarten nach ihrer Oberflächenzurichtung. Ein ähnliches Narbenbild ist deshalb allein keine vollständige Materialbestimmung.[2]
LederNarbenbild und Zurichtung
Kunstlederähnliches Narbenbild
Textile QualitätGriff, Glanz, Struktur
Vergleichen Sie Muster auch hinsichtlich Griff, Glanz, Struktur und sichtbarer Anschlüsse. Eine Farbe auf dem Bildschirm kann diese Merkmale nicht vollständig wiedergeben.
Ihre Vorlagenmappe kann diese Teile enthalten
| Unterlage | Was Sie dazu notieren sollten |
|---|---|
| Aktuelle Fotos | Bauteil und Position im Fahrzeug |
| Alte Fotos | Bekannte Herkunft und ungefähres Datum |
| Materialrest | Fundstelle und bekannte Zuordnung |
| Ausstattungsunterlagen | Fahrzeugmodell und zugehörige Variante |
| Wunschliste | Erhalten, nachbilden oder bewusst verändern |
Beispiel: Sitzmitte erhalten, Seiten ersetzen
Angenommen, ein markantes Mittelteil ist vorhanden und soll bleiben. Die Seitenflächen sind stark geschädigt. Dann sollten Zustand, Übergänge und mögliche Unterschiede zum neuen Material gemeinsam betrachtet werden. Eine genaue Übereinstimmung mit gealtertem Bestand kann nicht allein anhand einer ähnlichen Farbkarte zugesagt werden.
Entscheidungen am tatsächlichen Bauteil bestätigen
Lassen Sie den vorgesehenen Schnitt, sichtbare Nähte und Materialkombination anhand der gesicherten Vorlage erklären. Halten Sie Abweichungen ausdrücklich fest. Wenn Fragen zur historischen Anerkennung oder Bewertung wichtig sind, müssen diese separat mit den dafür zuständigen Fachleuten geklärt werden.
Bezug, Sitzform und Sicherheitsfragen am Fahrzeugsitz ordnet Auto- und Motorradsitze neu beziehen: Material, Gestaltung und Vorbereitung ein. Materialbegriffe erklärt Echtleder, Kunstleder und Mikrofaser: Was steckt im Bezug?. Wie Sie Nahtbilder eindeutig beschreiben, lesen Sie in Steppnaht, Doppelnaht und Ziernaht: Details verständlich benennen.



