Muster aus glattem Leder, angeschliffenem Nubuk und genarbtem Kunstleder liegen nebeneinander auf einem Werktisch einer Sattlerei.
Materialwissen

Leder und Kunstleder für Möbel, Fahrzeuge und Lederwaren unterscheiden

Nebeneinander liegen zwei fein genarbte Muster, doch auf dem einen Etikett steht Leder, auf dem anderen Lederoptik. Ob für das Sofa, einen Fahrzeugsitz oder eine Lederware: Die Optik allein verrät wenig über den Aufbau eines Bezugsleders oder Kunstleders. Kennen Sie Lederarten und Oberflächenbehandlung, vergleichen Sie Angebote besser und fragen gezielt nach den Eigenschaften, die für Ihren Gegenstand zählen.

Grundmaterial und Oberfläche getrennt betrachten

Bei der Materialfrage sind zwei Ebenen zu unterscheiden: der tragende Werkstoff und seine Oberfläche. Leder besitzt eine gewachsene Faserstruktur tierischen Ursprungs. Eine zusätzliche Zurichtung kann beeinflussen, wie die Oberfläche aussieht und welche Schicht bei der Nutzung unmittelbar berührt wird. Die Leather Working Group beschreibt Leder und verschiedene Oberflächenklassen deshalb mit getrennten Definitionen.[1]

Beschichtete Textilien bestehen dagegen aus einem Träger und einer aufgebrachten Polymerschicht. Die Association for Contract Textiles nennt beispielsweise Vinyl und Polyurethan als mögliche Beschichtungsmaterialien. Eine geprägte Struktur auf dieser Oberfläche macht aus einem Textilträger kein gewachsenes Leder.[2]

Fragen Sie deshalb nach dem vollständigen Materialaufbau, wenn Sie ein Angebot vergleichen. Halten Sie Herstellerangabe und Materialbezeichnung fest und beziehen Sie einen bereits zugänglichen Querschnitt ein. Die lederähnliche Optik allein gibt Ihnen diese Auskunft nicht.

Anilin, Semianilin und pigmentiertes Leder

Diese Begriffe beschreiben vor allem die Oberflächenzurichtung. Bei Anilinleder bleibt der natürliche Narben sichtbar; eine transparente, nicht pigmentierte Beschichtung ist möglich. Semianilinleder besitzt eine leichte Pigmentierung, bei der das natürliche Narbenbild erkennbar bleibt. Bei pigmentiertem Leder verdeckt eine deckende pigmenthaltige Zurichtung das natürliche Narbenbild.[1]

Bezeichnung Wie die Oberfläche eingeordnet wird Was zusätzlich zu klären ist
Anilinleder Natürliches Narbenbild bleibt sichtbar Konkrete Ausrüstung und Nutzungsvorgaben
Semianilinleder Leichte Pigmentierung bei erkennbarem Narben Eigenschaften der jeweiligen Lederqualität
Pigmentiertes Leder Oberfläche durch pigmentierte Zurichtung geprägt Schichtaufbau, Farbe und Herstellerangaben
Beschichtetes Leder Leder mit einer zusätzlich definierten Beschichtung Material unter der Beschichtung und tatsächlicher Aufbau

Für beschichtetes Leder nennt der Verband der Deutschen Lederindustrie eine äußere Beschichtung von mehr als 0,15 mm, die höchstens ein Drittel der gesamten Materialdicke ausmacht. Prüfen Sie in den Materialunterlagen, ob Ihr angebotenes Leder diese Merkmale erfüllt.[3]

Mit der Tabelle können Sie die Begriffe im Angebot unterscheiden. Welche Lederart zu Ihrem Vorhaben passt, lässt sich daraus allein noch nicht entscheiden.

Ein weitgehend naturbelassenes Erscheinungsbild kann gestalterisch gewünscht sein. Bei einem anderen Projekt steht eine gleichmäßigere Oberfläche im Vordergrund. Beschreiben Sie diese Ziele konkret und lassen Sie sie mit den Eigenschaften der angebotenen Qualität abgleichen. Aus dem Namen einer Oberflächenklasse lässt sich keine feste Nutzungsdauer ableiten.

Narbenleder, Spaltleder und Rauleder

Auch die Lage innerhalb der Haut ist für die Bezeichnung wichtig. Der Verband der Deutschen Lederindustrie unterscheidet den oberen, narbentragenden Bereich von darunterliegenden Spalten. Spaltleder besitzt von sich aus nicht die ursprüngliche Narbenstruktur der oberen Hautseite; seine Oberfläche kann unterschiedlich weiterbehandelt werden.[3]

Schema mit einem Hautquerschnitt aus narbentragendem Bereich und Spalt, daneben drei Oberflächen: Glattleder und Nubuk von der Narbenseite, Veloursleder von der Fleischseite oder einem Fleischspalt.
Narben und Spalt beschreiben die Lage in der Haut, glatt und rau die Oberfläche: zwei verschiedene Einteilungen. Schema, Schichten nicht maßstäblich.[3][4]

Rauleder ist ein Sammelbegriff für Leder mit aufgerauter Oberfläche. Bei Nubuk wird die Narbenseite angeschliffen. Veloursleder kann unter anderem aus der Fleischseite beziehungsweise einem Fleischspalt entstehen. Die samtige Wahrnehmung allein verrät deshalb noch nicht, welcher Ausgangsbereich und welche weitere Bearbeitung vorliegen.[3][4]

  • Nahaufnahme eines cognacfarbenen Anilinleders mit offen sichtbarem, natürlichem NarbenbildAnilinledernatürlicher Narben sichtbar
  • Nahaufnahme eines schwarzen pigmentierten Leders mit gleichmäßig deckender OberflächePigmentiertes Lederdeckende pigmenthaltige Zurichtung
  • Nahaufnahme eines sandfarbenen Nubukleders mit feiner, samtig angeschliffener OberflächeNubukangeschliffene Narbenseite
  • Nahaufnahme eines mokkabraunen Veloursleders mit weicher, aufgerauter FaseroberflächeVeloursledersamtig aufgeraute Oberfläche
Vier Lederoberflächen im Vergleich

Begriffshilfe: Glattleder und Rauleder beschreiben unterschiedliche Oberflächencharaktere. Narbenleder und Spaltleder betreffen dagegen die Materiallage. Diese Begriffe sollten nicht so behandelt werden, als lägen sie alle auf derselben Einteilungsebene.

Was die Bezeichnung Kunstleder offenlässt

Kunstleder ist keine einzige, immer gleich aufgebaute Qualität. Bei beschichteten Materialien können Träger, Beschichtung und weitere Ausrüstung variieren. Die ACT ordnet solche Flächen daher nach ihrer Konstruktion ein und berücksichtigt zusätzlich Anwendung und Einsatzort.[2]

Fragen Sie bei einem Angebot nach der genauen Herstellerbezeichnung. Begriffe wie PU-Oberfläche oder Lederoptik beschreiben für sich genommen nicht vollständig, welches Material darunterliegt. Besonders bei mehrschichtigen Aufbauten sollten die einzelnen Schichten klar bezeichnet werden.

Der Vergleich sollte außerdem zum geplanten Einsatz passen. Ein Material für eine dekorative Fläche muss nicht dieselben Aufgaben übernehmen wie ein Sitzbezug. Ebenso wäre es zu weitgehend, aus der generellen Bezeichnung Kunstleder eine Wasch- oder Reinigungsfreigabe für jedes fertige Produkt abzuleiten. Die jeweiligen Produktunterlagen bleiben entscheidend.

Warum Möbel, Fahrzeug und Lederware unterschiedliche Fragen stellen

Bei einem Möbelbezug stehen größere Flächen und deren Verbindung zu einem Polsteraufbau im Mittelpunkt. Eine Lederware kann dagegen aus kleinen, mehrlagigen Teilen mit Kanten, Futter und Beschlägen bestehen. Für die Materialauswahl sollten diese Aufgaben zunächst beschrieben werden, bevor ein Muster nach Farbe und Griff beurteilt wird.

Bei Fahrzeugausstattungen gehört die genaue Verwendung zur Anfrage. Nennen Sie das Fahrzeug beziehungsweise das Bauteil und vorhandene Herstellerangaben. Eine Eignung für Möbel ist nicht automatisch ein Nachweis für einen bestimmten Fahrzeugeinsatz. Welche Anforderungen tatsächlich gelten, muss für das jeweilige Bauteil geklärt werden.

Vorhaben Hilfreiche erste Angaben
Möbel neu beziehen Möbelart, vorhandener Aufbau, gewünschte Optik und Nutzung
Fahrzeugausstattung Fahrzeug, konkretes Teil und vorhandene Materialinformationen
Lederware beurteilen Materialangabe, Größe, Aufbau und betroffene Stelle
Material vergleichen Exakte Qualität, Farbnummer und vorgesehener Einsatz

Die Übersicht ist eine selbst entwickelte Vorbereitungshilfe. Sie bestätigt keine bestimmte Materialfreigabe.

Ein Materialmuster sinnvoll ansehen

Betrachten Sie ein Muster in einer Größe, die Oberfläche und mögliche natürliche Merkmale erkennen lässt. Notieren Sie, welche Veränderung gegenüber dem vorhandenen Material gewünscht ist. Soll das Narbenbild sichtbar bleiben? Ist eine gleichmäßige Farbe wichtig? Welche Bereiche werden berührt oder bewegt?

Vergleichen Sie anschließend die Dokumentation. Halten Sie Grundmaterial, Oberflächenklasse und Herstellerbezeichnung getrennt fest. Wenn die Zuordnung unklar bleibt, beschreiben Sie die Unklarheit, statt sie durch eine Vermutung zu ersetzen. Ein einzelner Blick auf die Vorderseite reicht bei geprägten oder beschichteten Materialien häufig nicht für eine vollständige Bestimmung.

Für eine erste Einschätzung eines vorhandenen Gegenstands können Fotos von Vorderseite, Rückseite und einer bereits zugänglichen Kante helfen. Schneiden oder lösen Sie dazu keine neue Stelle auf. Vorhandene Etiketten und frühere Unterlagen sind ebenfalls nützlich.

Materialwissen als Grundlage für das Vorhaben

Lederwaren, Autoausstattung und das Neubeziehen von Sitzmöbeln sind Arbeitsbereiche bei RAUMWERK. Bei einer Anfrage lässt sich zunächst klären, welches Material und welcher Aufbau vorliegen und welche Arbeiten für den konkreten Gegenstand angeboten werden. Eine bestimmte Reparaturmöglichkeit wird durch die allgemeine Leistungsbezeichnung noch nicht zugesagt.[5]

Halten Sie für Ihr Gespräch fest, welches Material bekannt ist und was Sie erhalten oder verändern möchten. So können Sie Pflegefragen zur richtigen Oberfläche stellen und Nähte, Kanten oder Reparaturstellen gesondert besprechen. Bleibt die Zuordnung unklar, zeigen Sie den Gegenstand, statt sich vorab auf eine Lederart festzulegen.

Vertiefungen in diesem Thema

Drei Lederproben mit unterschiedlich sichtbarem Narbenbild liegen auf der Sitzfläche eines braunen Ledersessels.

Anilin, Semianilin oder pigmentiertes Leder? Verstehen Sie die Unterschiede der Oberfläche und fragen Sie gezielt nach Optik, Materialbezeichnung und Pflege für Ihren Bezug.

Drei Ledermuster mit glatter, fein angeschliffener und samtig aufgerauter Oberfläche liegen nebeneinander auf einem hellen Werktisch.

Glatt, samtig oder aufgeraut: Erfahren Sie, was Glattleder, Nubuk und Veloursleder unterscheidet und welche Materialangaben Sie für Auswahl und Pflege brauchen.

Drei ähnlich dunkle Bezugsmuster aus Leder, Kunstleder und Mikrofaser liegen auf einem Werktisch neben einem ausgebauten Autositz.

Lederoptik, Kunstleder oder Mikrofaser: Fragen Sie nach dem vollständigen Materialaufbau. Mit einem Vergleich der Begriffe und einer kurzen Liste für Ihr Möbel- oder Fahrzeugprojekt.

Ein brauner Ledersessel zeigt an Armlehne und Sitzkante natürliche Falten und einen durch Gebrauch veränderten Glanz.

Natürliche Linien, Glanz oder dunkle Stellen auf Ihrem Leder? Unterscheiden Sie vorhandene Merkmale von neuen Veränderungen und bereiten Sie Fragen zu Pflege oder Reparatur vor.

Weiterlesen

Eine braune Ledertasche liegt auf einem Werktisch, im Vordergrund sind eine Ziernaht, eine gefärbte Kante und ein Metallbeschlag am Griffansatz zu sehen.

Eine Naht, Kante oder ein Beschlag an Ihrer Lederware ist beschädigt? Erfahren Sie, welche Unterschiede wichtig sind und mit welchen Fotos Sie eine Reparaturanfrage vorbereiten.

Eine braune Ledertasche liegt neben einem Muster aus glattem Möbelleder und einem weichen Tuch auf einem hellen Werktisch.

Welches Pflegemittel passt zu Ihrem Leder? Finden Sie Hinweise zur Oberfläche und erfahren Sie, was Sie bei Möbelbezügen, Taschen und anderen Lederwaren vor einer Behandlung prüfen sollten.

Quellen

[1] Leather Working Group. LWG List of Definitions. Stand: Version 1.1, Januar 2024. Seiten 1 und 4: Leder, Spaltleder und Oberflächenklassen. Abgerufen am 29.10.2026.

[2] Association for Contract Textiles. Performance Guidelines. Ohne ausgewiesenen Versionsstand. Coated fabrics: Träger und Polymerschicht; anwendungsbezogene Einordnung. Abgerufen am 29.10.2026.

[3] Verband der Deutschen Lederindustrie. Leather A-Z. Ohne ausgewiesenen Versionsstand. Grain leather, split leather, nubuck und suede/rough leather. Abgerufen am 29.10.2026.

[4] Lederzentrum Schweiz. Leather types and terminology: a small glossary. Ohne ausgewiesenen Versionsstand. Nubuk, Velours und Oberflächenzurichtung; Materialbegriffe ohne Übertragung von Bekleidungsfreigaben. Abgerufen am 29.10.2026.

[5] RAUMWERK Torgau. Leistungsübersicht. Ohne ausgewiesenen Versionsstand. Lederwaren, Autoausstattung und Polsterei. Abgerufen am 29.10.2026.

Alle Quellen anzeigen

Über den Autor

Markus Trump

RAUMWERK Torgau

Markus Trump führt RAUMWERK, eine Polsterei- und Sattlereiwerkstatt in Torgau. Er bezieht Sessel, Eckbänke und Autositze neu und fertigt Polsterauflagen, Sonnenschutz und textile Akustiklösungen nach Maß. In der persönlichen Materialberatung zeigt er passende Stoffe und Materialien und sagt offen, was zum Möbel und zum Alltag passt – und was nicht.

Ihr Vorhaben

Fragen zu Ihrem Projekt?

Schicken Sie uns ein Foto und ein paar Maße. Wir beraten Sie zu Material und Aufwand.

Hinweis zur Bildherkunft

KI-generiertes Bild

Dieses Bild wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt. Es veranschaulicht unsere Leistungen, zeigt aber kein reales Projekt aus unserer Werkstatt. Wir kennzeichnen solche Bilder, damit Sie sie von echten Fotos unterscheiden können.

Verstanden
Jetzt anfragen