Zugeschnittene Schaumstoffplatten und Bezugsmaterial auf dem Werktisch
Materialwissen

Raumgewicht und Stauchhärte: zwei verschiedene Kennwerte

Teil des Themas

Nebeneinanderliegende Schaumstoffblöcke in Grau, Weiß, Hellblau, Hellgelb und Dunkelgrau mit unterschiedlicher Zellstruktur auf einem Werktisch.

Welcher Polsterschaum kommt für Ihren Sitz infrage? Ordnen Sie Schaumarten und Kennwerte ein und bereiten Sie mit Fotos, Maßen und Ihren Komfortwünschen einen passenden Zuschnitt vor.

Auf dem Zuschnitttisch können zwei Polsterschäume mit je 40 kg/m³ liegen, und trotzdem fühlt sich der eine deutlich fester an als der andere. Das Raumgewicht beschreibt die Masse je Volumen, die Stauchhärte den Widerstand bei einer festgelegten Verformung. Zwei Rechenbeispiele und veröffentlichte Herstellerdaten zeigen, welche Schaumstoffkennwerte für Ihren Vergleich zusammengehören.

Raumgewicht: Masse im Verhältnis zum Volumen

Das Raumgewicht eines Schaumstoffs wird als Masse je Volumen angegeben. In technischen Datenblättern steht dafür häufig der Begriff Rohdichte. Die übliche Einheit ist kg/m³. Daraus lässt sich für einen gleichmäßigen, rechteckigen Schaumkörper eine rechnerische Masse bestimmen. Über die Härte des Materials sagt dieses Ergebnis noch nichts aus.[1]

Rechenbeispiel: ein rechteckiger Schaumstoffzuschnitt

Angenommen, ein Zuschnitt ist 50 cm breit, 50 cm tief und 10 cm dick. Das angenommene Raumgewicht beträgt 40 kg/m³.

  1. Maße in Meter umrechnen: 0,50 m × 0,50 m × 0,10 m.
  2. Volumen berechnen: 0,025 m³.
  3. Mit der Dichte multiplizieren: 0,025 m³ × 40 kg/m³ = 1,0 kg.

Die Rechnung beschreibt ausschließlich den angenommenen Schaumkörper. Bezug, Klebstoff und weitere Polsterlagen sind nicht enthalten. Auch abweichende Istmaße oder Materialtoleranzen werden dabei nicht berücksichtigt. Die Zahlen dienen der Erklärung, nicht als Auswahlvorgabe für einen Sitz.

Stauchhärte: definierte Verformung im Prüfverfahren

Für die Stauchhärte nennen Hersteller häufig eine Druckspannung in kPa bei einer bestimmten prozentualen Stauchung. Bei den hier verglichenen Datenblättern ist das eine Verformung von 40 Prozent nach EN ISO 3386-1. Prüfverfahren und Verformungsgrad gehören deshalb immer zur Zahl.[2][3]

Was bedeutet 40 Prozent Stauchung?

Bei einer gedachten Ausgangsdicke von 100 mm entspricht eine Stauchung um 40 Prozent einer Dickenabnahme um 40 mm. Es verbleiben 60 mm. Das Beispiel erläutert ausschließlich das Verhältnis. Es sagt nicht voraus, wie weit ein bestimmter Mensch auf einem Sitzpolster einsinkt. Dafür wären unter anderem Belastungsfläche und gesamter Aufbau zu betrachten.

Schema: Ein 100 mm dicker Schaumstoffblock wird unter einer Druckplatte um 40 mm gestaucht, es bleiben 60 mm.
Rechenbeispiel aus dem Text: Bei 40 Prozent Stauchung wird ein gedacht 100 mm dicker Schaumstoff um 40 mm zusammengedrückt, es bleiben 60 mm. Die Stauchhärte ist die Druckspannung, die das Prüfverfahren bei dieser Verformung ermittelt. In den Datenblattbeispielen sind das 6,0 kPa (SV-40 h) und 3,6 kPa (SV-Ka 40), jeweils bei 40 kg/m³ und vom Hersteller als ungefähre Mittelwerte angegeben.[2][3] Grundlage: Rechenbeispiel und Herstellerangaben; vereinfachtes Schema mit ebenen Platten über die ganze Fläche.

Stauchhärte und Eindruckhärte sollten zudem nicht ohne Prüfung gleichgesetzt werden. Das Datenblatt K3040 von Saarschaum führt beispielsweise eine Stauchhärte in kPa und eine Eindruckhärte in N auf. Es verweist dabei auf unterschiedliche Prüfverfahren. Eine in Newton angegebene Prüfkraft ist keine Druckspannung in Kilopascal.[4]

Gleiche Dichte, unterschiedliche Härte

Die folgende Gegenüberstellung verwendet veröffentlichte Herstellerangaben. Sie zeigt eine Beziehung zwischen Kennwerten und ist weder eine Produktempfehlung noch eine Aussage zur Verfügbarkeit.

Herstellerbezeichnung Rohdichte Stauchhärte bei 40 Prozent Prüfverfahren der Stauchhärte
SV-40 h 40 kg/m³ 6,0 kPa EN ISO 3386-1
SV-Ka 40 40 kg/m³ 3,6 kPa EN ISO 3386-1

Quellen der Tabelle sind die Angaben von SV Schaumstoffe. Der Hersteller kennzeichnet die Werte als ungefähre Mittelwerte. Bei einer konkreten Bestellung sind die jeweils aktuellen Produktangaben und vereinbarten Toleranzen maßgeblich.[2][3]

Für den Vergleich ist der entscheidende Punkt sichtbar: Derselbe Dichtewert kann mit unterschiedlichen Härtewerten verbunden sein. Umgekehrt lässt sich aus einer höheren Härtezahl keine automatisch höhere Dichte ableiten. Auch die Bezeichnung einer Schaumsorte ersetzt die beiden Angaben nicht.

So lesen Sie zwei Angebote nebeneinander

Beginnen Sie mit der Aufgabe des Bauteils. Geht es um einen neuen Sitzkern, eine Rückenauflage oder ein Liegepolster? Halten Sie anschließend fest, ob beide Angebote denselben geplanten Aufbau beschreiben. Wenn eines nur den Schaumkern und das andere mehrere Lagen einschließlich Bezug umfasst, sind die Endergebnisse trotz ähnlicher Materialnamen nicht unmittelbar vergleichbar.

Erst danach lohnt sich der Blick auf die Zahlen. Übertragen Sie die Kennwerte vollständig in eine kleine Vergleichsliste. Lassen Sie keine Einheit weg und ergänzen Sie das Prüfverfahren. Ist eine Angabe unklar, fragen Sie nach dem Datenblatt, statt sie aus der Produktbezeichnung abzuleiten.

Zugeschnittene Schaumstoffplatten und Bezugsmaterial auf dem Werktisch
Schaumstoffzuschnitte sehen ähnlich aus. Vergleichbar werden Angebote erst mit vollständigen Kennwerten, Einheiten und Prüfverfahren.
Prüffrage Was Sie im Angebot suchen
Welches Material ist gemeint? Eindeutige Hersteller- oder Materialbezeichnung
Welche Dichte wird genannt? Zahlenwert mit kg/m³ und gegebenenfalls Toleranz
Welche Härte wird genannt? Einheit, Verformungsgrad und Prüfverfahren
Welche Geometrie wird gefertigt? Breite, Tiefe, Dicke und besondere Konturen
Was gehört zum Aufbau? Kern, weitere Lagen, Unterlage und Bezug
Was soll sich verbessern? Konkrete Beschreibung des gewünschten Sitzgefühls

Nutzen Sie die Tabelle, um Ihre Angebote auf Vollständigkeit zu prüfen und offene Angaben nachzufragen. Für eine Produktauswahl oder Mindestwerte reicht sie allein nicht aus.

Was sich aus den Kennwerten nicht ableiten lässt

Raumgewicht und Stauchhärte sind wichtige Beschreibungen, aber kein vollständiges Komforturteil. Ein passender Zuschnitt muss in den vorgesehenen Aufbau passen und die gewünschte Nutzung unterstützen. Eine allgemeine Zuordnung nach dem Muster „ab diesem Körpergewicht ist diese Dichte richtig“ lässt sich aus den hier erläuterten Angaben nicht begründen.

Beschreiben Sie im Gespräch deshalb auch, was Ihnen am vorhandenen Sitz auffällt. Gewünscht sein kann etwa eine andere Sitzhöhe, eine weniger nachgiebige Oberfläche oder eine andere Unterstützung beim längeren Sitzen. Diese Ziele sollten einzeln benannt und, soweit möglich, an einem passenden Aufbau bemustert werden.

Wenn Sie zusätzlich Schaumarten, Rückstellverhalten und Unterlage vergleichen möchten, finden Sie diese Zusammenhänge im Überblick zu Polsterschaum. Damit können Sie die beiden Kennwerte auf Ihren geplanten Aufbau beziehen, statt allein nach einer höheren Zahl zu entscheiden.

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Quellen

[1] Polyurethane Foam Association. Foam Performance. Ohne ausgewiesenen Versionsstand. Density und firmness: Dichte und Härte als getrennte Eigenschaften. Abgerufen am 29.10.2026.

[2] SV Schaumstoffe. PUR-Schaum SV-40 h. Ohne ausgewiesenen Versionsstand. Technische Werte und Mittelwerthinweis. Abgerufen am 29.10.2026.

[3] SV Schaumstoffe. Technische Daten SV-Ka 40. Ohne ausgewiesenen Versionsstand. Seite 1: Rohdichte nach EN ISO 845, Stauchhärte nach EN ISO 3386-1. Abgerufen am 29.10.2026.

[4] Saarschaum. Technische Daten K3040. Stand: 01.12.2023. Seite 1: Rohdichte, Stauchhärte, Eindruckhärte und jeweilige Prüfverfahren. Abgerufen am 29.10.2026.

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Über den Autor

Markus Trump

RAUMWERK Torgau

Markus Trump führt RAUMWERK, eine Polsterei- und Sattlereiwerkstatt in Torgau. Er bezieht Sessel, Eckbänke und Autositze neu und fertigt Polsterauflagen, Sonnenschutz und textile Akustiklösungen nach Maß. In der persönlichen Materialberatung zeigt er passende Stoffe und Materialien und sagt offen, was zum Möbel und zum Alltag passt – und was nicht.

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