80.000 Scheuertouren auf dem einen Muster, 40.000 auf dem anderen: Die höhere Zahl wirkt überzeugend, verspricht aber keine doppelte Nutzungszeit. Ob ein Stoff besser zu Sofa, Stuhlgruppe oder Restaurantbank passt, beantwortet sie allein nicht. Entscheidend ist, was die Martindale-Prüfung tatsächlich misst und welche Angaben Sie zusätzlich vergleichen sollten.
Was bei der Martindale-Prüfung passiert
Bei der Martindale-Prüfung wird eine Stoffprobe unter festgelegten Bedingungen gegen ein Reibmaterial bewegt. Das Ergebnis beschreibt die Scheuerbeständigkeit im verwendeten Test. Hersteller nennen dafür die Zahl der erreichten Prüfzyklen, häufig Scheuertouren genannt. Damit wird ein bestimmter Verschleiß untersucht, nicht jede Beanspruchung eines fertigen Möbels.[1]
Für Ihren Vergleich gehören deshalb der Stoffname, das Verfahren und das zugehörige Ergebnis zusammen. Eine große Zahl ohne genaue Qualität oder Prüfmethode lässt sich nur schwer bewerten. Fragen Sie nach, wenn auf einem Angebot lediglich besonders scheuerfest steht.
Warum doppelte Scheuertouren keine doppelte Nutzungszeit bedeuten
Ein Stoff mit 80.000 Zyklen hält nicht automatisch doppelt so lange wie einer mit 40.000. Darauf weist die Association for Contract Textiles ausdrücklich hin. Der Labortest bildet unter anderem die Belastung an Möbelkanten und andere Verschleißarten nicht vollständig ab. Reinigung, Verarbeitung und tatsächliche Nutzung wirken ebenfalls auf das Ergebnis im Alltag.[2]
Für Ihre Auswahl heißt das: Legen Sie den Stoff mit dem kleineren Wert nicht allein wegen der Zahl beiseite. Prüfen Sie zuerst, ob beide Qualitäten für die geplante Verwendung vorgesehen sind und welche weiteren Eigenschaften dokumentiert sind. Der höchste Wert ersetzt diese Prüfung nicht.
Drei Angaben, die Sie nicht verwechseln sollten
| Angabe auf dem Muster | Welche Frage sie beantwortet | Was offenbleibt |
|---|---|---|
| Scheuertouren | Wie verhielt sich die Probe im Abriebtest? | Wie lange hält der fertige Bezug in Ihrem Alltag? |
| Pillingnote | Wie stark bildeten sich Knötchen im zugehörigen Test? | Wie sieht der Stoff nach jeder denkbaren Nutzung aus? |
| Lichtechtheit | Wie beständig ist die Farbe im Lichttest? | Was bewirkt Ihr konkreter Standort über Jahre? |
Die Merkmale werden getrennt geprüft. Eine hohe Scheuerbeständigkeit ist deshalb keine hohe Pillingnote und keine besonders hohe Lichtechtheit.[1]
Beispiel: Zwei Muster für dieselbe Sitzbank
Angenommen, Muster A weist 40.000, Muster B 80.000 Martindale-Zyklen aus. Beide Zahlen gehören zu einem gedachten Vergleich und sind keine Produktempfehlung.
Auf Ihrer Bank sollen täglich Gäste sitzen; außerdem muss der Bezug zur vorgesehenen Reinigung passen. Vergleichen Sie deshalb neben dem Abriebwert die Materialfreigabe für diesen Einsatz, den Pflegeweg und die gewünschte Oberfläche. Fehlen bei B diese Angaben, ist die Entscheidung trotz der höheren Zahl noch offen. Umgekehrt lässt sich A ohne seine vollständigen Daten nicht empfehlen.
Dieser Ablauf hilft Ihnen, die richtigen Rückfragen zu stellen. Er setzt keine allgemeine Mindestzahl für Ihre Bank fest.
So bereiten Sie Ihren Stoffvergleich vor
Notieren Sie zu jedem Muster Hersteller, Qualität und Farbe. Ergänzen Sie anschließend die Scheuerprüfung mit Verfahren, Ergebnis und vorhandenem Prüfstand. Schreiben Sie dazu, wo der Bezug eingesetzt werden soll und wie die Reinigung geplant ist.
Lassen Sie widersprüchliche Angaben klären, bevor Sie sich entscheiden. Ergebnisse verschiedener Verfahren lassen sich nicht einfach über dieselbe Zahl miteinander vergleichen. Auch ein Wert aus einer anderen Farbe oder Qualität sollte nicht ungeprüft übernommen werden.[2]
Die übrigen Stoffmerkmale finden Sie im Überblick Polsterstoffe verstehen: Fasern, Gewebe und Gebrauchseigenschaften. Wenn Sie besonders die Knötchenbildung beschäftigt, lesen Sie Pilling bei Möbelstoffen: Was Knötchen und Prüfnoten bedeuten. Für die Auswahl nach Wohnung, Praxis oder Gastronomie hilft Ihnen Bezugsstoffe für Wohnung, Praxis, Gastronomie und Hotel auswählen.



